Pressemitteilung 28.Juli 2008

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space—thinks

Temporäre künstlerische Interventionen in Berlin-Neukölln

August—Dezember 2008

Nachdem sowohl die Neuköllner Bevölkerung als auch die Fachmedien überdurchschnittlich positiv auf die Projektreihen „Areale Neukölln“ (2001, siehe: www.areale-neukoelln.de) und „Okkupation“ (2004 – 2006, siehe: www.okkupation.com) reagierten, realisieren erneut Bildende KünstlerInnen temporäre Interventionen in öffentlichen Räumen von Neukölln: Unter dem Motto „space thinks“ werden ab August bis Dezember 2008 in etwa monatlicher Abfolge fünf Einzelprojekte umgesetzt.

Etienne Boulanger (Nancy/F), Franz Höfner & Harry Sachs (Berlin), Folke Köbberling & Martin Kaltwasser (Berlin), Matthias Schamp (Bochum) sowie Schumacher & Jonas folgen dabei einem Raumverständnis, das Raum nicht lediglich als Kulisse begreift, vor der sich gesellschaftliche Entwicklungen ereignen, sondern als integralen Bestandteil dieser Entwicklungen: Er wird durch die Menschen, die ihn beleben, durch ihr alltägliches Handeln und ihre Vorstellungen konstituiert.

Der Titel der Reihe verweist phonetisch auf ein zentrales Konzept dieser relationalen Raumtheorie, das „spacing“: Menschen, soziale Güter und symbolische Markierungen werden im Raum platziert, um sie als Ensembles kenntlich zu machen. Prozesse der Wahrnehmung, Vorstellung und Erinnerung verknüpfen dabei Menschen und Güter zu Räumen. Klassen-, geschlechts- und kulturspezifischer Habitus beeinflussen diese Prozesse, die keineswegs in einem Machtvakuum stattfinden, sondern zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen ausgehandelt werden, die denselben geografischen Raum völlig unterschiedlich erfahren können.

Mit ihrem fragenden Blick von außen eruieren die für das Projekt eingeladenen KünstlerInnen vorhandene Wahrnehmungen und Nutzungen dieser Räume und bieten neue, ungewöhnliche oder herausfordernde Optionen an. Ihre Arbeiten erweitern so das Spektrum des „spacing“: Mit der Phantasie und der Kraft der temporären Intervention und ihrem Potenzial, Gegebenes kritisch und visionär zu hinterfragen, bieten sie den komplexen kognitiven Verflechtungen der Räume weitere Verknüpfungen an.

Projektstart: 3. August 2008

„The Cracked House“ von Etienne Boulanger (Nancy/F)

Volkspark Hasenheide (Nähe Eingang Hasenheide / „Neue Welt“)

Personen allen Alters und unterschiedlicher ethnischer oder sozialer Herkunft nutzen den Volkspark Hasenheide – zum spazieren, passieren, joggen, Ballspielen, zum picknicken, erholen und flirten. Das Design des an der Grenze zu Kreuzberg gelegenen weitläufigen Parks wird diesen Aktivitäten gerecht: Man findet ein Netz von Wegen zwischen den großzügig angelegten Wiesen und Wäldchen, Bänke zum Verweilen, ein kleines Gehege mit heimischen Tierarten, Spiel- und Sportplätze. Doch der Park ist auch als einer der größten Drogenumschlagplätze in der Stadt bekannt. Die Aktivitäten dieses illegalen Handels sind mobil und passen sich der Parkumgebung immer wieder neu an, kein sichtbares Element weist auf sie hin.

Im Zentrum des Drogenareals errichtet Etienne Boulanger ein Monument: „The Cracked House“ ist den Akteuren in der Illegalität gewidmet und zugleich eine Hommage an die erstaunlich friedvolle Koexistenz der vielen und äußerst heterogenen Gruppierungen im Park.

“Ich suche bevorzugt die Konfrontation mit dem öffentlichen Raum, die es mir erlaubt, meine Arbeit in die soziale Sphäre einzuschreiben. Der Gebrauch von Aktivismustaktiken wie Infiltration, Störung, Entfremdung und Zerstreuung ist bei der Umsetzung meiner Interventionen unabdingbar. Die Aneignung oder Wiederaneignung eines Ortes gilt in der heutigen Gesellschaft als aussagekräftige Geste, was dazu führt, dass meine Arbeit oft am Rande der Legalität angesiedelt ist. Dabei fordert sie nichts ein, sie ist nicht militant, sondern vor allen Dingen das Resultat meiner individuellen Stellungnahme.” Etienne Boulanger

Etienne Boulanger, The Cracked House / Foto: Birgit A. Schumacher

Foto: Birgit A. Schumacher

Weiterführende Informationen und aktuelles Programm unter:

www.space-thinks.de

Informationen über Etienne Boulanger unter:

www.etienneboulanger.com

„space thinks“ wird maßgeblich aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds gefördert und vom Kulturamt Neukölln unterstützt. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Kulturamt Neukölln und dem Kulturnetzwerk Neukölln e.V. realisiert und von Birgit Anna Schumacher und Uwe Jonas kuratiert, organisiert und produziert.